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einsundmehr

02.11.2011 von Brigitta Hartmann

kunstthurgau  in der Walzmühle

Thurgauer Zeitung / 12.11.2011   Fabrikhalle kurzzeitig umgenutzt

Die Gruppe «kunstthurgau» betont in ihrer Ausstellung «einsundmehr» die Individualität stärker als die Gruppendynamik. Die Gruppe «kunstthurgau» hat mit dem ehemaligen Fabriksaal in der Walzmühle den grosszügigsten Ausstellungsort erhalten, den sie je hat bespielen können. 25 Mitglieder liessen sich davon herausfordern – mit unterschiedlicher Wirkung.
BARBARA FATZERFRAUENFELD. Der Raum in der Walzmühle von gegen 60 Metern Länge, mit zwei durchgehenden Fensterbändern, hat eine unkonventionelle Präsentation der Werke verlangt, Wände für grossformatige Bilder sind nur wenige vorhanden. Das forderte geradezu heraus, mehr installativ oder raumbezogen zu arbeiten, um sich die langgezogene Halle als Kunstort überhaupt zunutzen zu machen. Dabei bestimmte das gleichmässige Stützenraster eine einheitliche Grösse für jeden Ausstellenden; es sind jetzt offene Kojen, so dass die Durchblicke weitgehend gewährt bleiben, ausser da, wo sie wenige Einbauten unterbrechen.Durchblick gewährtDass diese Ausgangssituation nicht ganz einfach zu bewältigen war, spürt man gleich beim Eintreten, man fühlt sich etwas verloren in dieser Weite. Erst mit dem stetigen Abwandern der einzelnen Ausstellungsflächen kommen einem die Kunstwerke näher, die kaum einen Kontakt zu anderen im Umkreis haben oder Bezug nehmen auf die alte Industrieanlage. Die Individualität (die «eins» im Titel) ist also stärker betont als die künstlerische Gruppendynamik («und mehr»).Es gibt aber einige spannende, erstmalige Arbeiten zu entdecken. Als einziger ist Nicola Gabriele konsequent auf Raum und Geschichte der einstigen Walzmühle eingegangen. Er verriegelte zwischen zwei Stützen die Raumfülle mit einer weissen Wand, durch sie hindurch sind mit Gewalt nutzlos gewordene Türen gestossen, Museumsstücke aus der Fabrik, die anzeigen, dass demnächst diese Industriehalle mit dem Umbau ihre einstige Funktion ganz verlieren wird.Einfacher mit der Unterbringung ihrer Installationen hatten es diejenigen, die sich vom Grossraum in die wenigen eingebauten Kabäuschen zurückzogen. Wie etwa Helmut Wenczel mit seinem übergrossen Aquarell, das einem ebenfalls einen weiten Blick ins Weltall auftut. Silvia Gysi wagt sich auf Neuland mit ihrer Installation «absolutely now» im engen, befensterten Verbindungsgang. Sie geht subtil auf unsere Mobilität wie auch Heimatlosigkeit ein. Stimmig in der farblich-dekorativen Ausstattung, aber provozierend mit der Zerstörung von Kulturgut ist Walter Wetters «Robo-charts!». Er warnt denn auch: «Nichts für Liebhaber von Vinyl-Schallplatten.»Jeder für sichEs ist eine ruhige, farblich stark zurückgenommene Präsentation der Thurgauer Kunst, die viel Raum fürs Beschauliche bis Meditative lässt. Auch weil einige Arbeiten am Boden niedergelegt sind wie etwa die «Spiegelungen» von Elsbeth Harling oder die Videoarbeit von Martin Maeder.Starke Farbakzente setzen nur Max Ammann und Bianca Frei-Baldegger. Betroffen machen können einen dagegen die schmerzerfüllten, verquälten Menschenkörper, die Giancarlo Bolzan auf zwei grossen Bildern und in einer Skulptur nachgezeichnet hat.Wo Milch und Honig fliessenAusgleich schafft da Agnes Blum, die ihre textilen Menschenkörper von Tobel (Tatort 2010) hier in eine weitere Transformation überführt. Sie verspricht ein imaginäres Land, wo Milch und Honig fliessen (Exodus 3.8): «Tritt ein in diesen Weltenkreis und pinsle deine Träume auf Schieferstein, die dann im All aufgehen werden.»

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